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Kennst du dieses Gefühl, dass dein Kopf einfach nie zur Ruhe kommt? Dass du ständig an alles denken musst wie Termine, Aufgaben, die Bedürfnisse anderer und selbst in den Momenten, in denen du eigentlich nichts tust, innerlich weiter organisierst, planst, prüfst?
Das nennt sich Mental Load. Und es ist erschöpfender, als es von außen aussieht.
Was Mental Load wirklich bedeutet
Mental Load wird manchmal als „unsichtbare Verantwortung“ bezeichnet und das trifft es ziemlich gut. Es ist die Summe aller Gedanken und Emotionen, die im Hintergrund laufen, während das Leben um einen herum einfach weitergeht. „Wer kümmert sich um die Arzttermine? Das Geburtstagsgeschenk für die Freundin deines Kindes? Ach, für das Schullandheim fehlen noch die Wanderschuhe, die jetzigen sind inzwischen zu klein…Was muss noch organisiert werden? Habe ich etwas vergessen? Geht es allen gut? Was essen wir heute Abend?“
Das Erschöpfende daran ist weniger das Tun selbst, sondern das ständige „Darüber-Denken-Müssen“. Dieses permanente Mitdenken erzeugt einen Druck, der sich schwer in Worte fassen lässt. Und es ist auch oft das Gefühl, für alles und jeden verantwortlich zu sein. Für Dinge, die eigentlich gar nicht in deinem Verantwortungsbereich liegen.
Der Kreislauf, der sich von selbst weiterdreht
Mental Load entsteht selten plötzlich. Er schleicht sich ein, wächst langsam und entwickelt sich in einem Muster, das sich immer wieder selbst verstärkt.
Am Anfang steht ein Gefühl: Ich bin verantwortlich. Daraus erwächst ein Anspruch: Ich muss alles schaffen und zwar richtig gut. Dann beginnt das Gedankenkarussell. Habe ich wirklich an alles gedacht? Habe ich alles, was passieren kann, antizipiert? Habe ich irgendetwas übersehen?
Diese Fragen führen zu innerem Druck. Von außen kommen dann gut gemeinte Kommentare wie z.B. „Entspann dich doch mal!“, die jedoch innerlich eher das Gegenteil bewirken. Denn statt zu entspannen, fragt man sich: Warum schaffe ich das eigentlich nicht? Stimmt etwas mit mir nicht? Bin ich nicht belastbar? Das führt dann schnell zusätzlich zu einer emotionalen Überlastung.
Und genau hier schließt sich der Kreis. Die Zweifel führen zu noch mehr Grübeln, der Druck wird größer, der Kopf noch voller.
Drei Fallen, in die viele immer wieder geraten
Gesellschaftliche Erwartungen. Ob in der Familie, im Job oder auf Social Media: die Erwartungen an Frauen sind omnipräsent. Und egal, wie man sich entscheidet, es scheint fast unmöglich, es allen recht zu machen. Deshalb ist eine Frage so entscheidend: Was ist für dich stimmig? Dein Leben muss den Erwartungen anderer entsprechen? Nein, muss es nicht. Es darf zu deinen eigenen Werten und Vorstellungen passen.
Overthinking – das Gedankenkarussell. Mental Load und ständiges Grübeln gehen Hand in Hand. Die Gedanken pendeln zwischen Vergangenheit – Was hätte ich besser machen können? – und Zukunft – Was könnte alles schiefgehen? Dieses Denken fühlt sich nach Kontrolle an, kostet jedoch enorm viel Energie. Das Paradoxe: Je mehr man grübelt, desto weniger kommt man ins Handeln.
Die unsichtbare Wechselwirkung. Je mehr Verantwortung du übernimmst, desto weniger übernehmen andere. Weil sie sich daran gewöhnen, dass du es ohnehin machst. Das passiert im Job genauso wie zuhause und plötzlich trägt man alles, während andere sich zurücklehnen. Dieser Kreislauf lässt sich nur durchbrechen, indem man bewusst loslässt. Auch wenn das zunächst unangenehm ist.
Der erste Schritt raus
Die wichtigste Erkenntnis ist so simpel wie kraftvoll: Ein Teil des Drucks kommt von außen. Der andere Teil entsteht in dir und genau den kannst du verändern.
Ein konkreter Impuls: Überleg dir eine einzige Sache, bei der du Verantwortung abgibst. Im Job eine Aufgabe delegieren. Zuhause jemand anderen entscheiden lassen. Und dann das Schwierigste: aushalten, dass es vielleicht anders gemacht wird, als du es getan hättest und dass es vielleicht auch weniger perfekt ausgeführt wird, als wenn du es gemacht hättest 😜.
Denn genau das ist Loslassen.
Weniger Perfektion, mehr innere Erlaubnis
Mental Load hat viel mit inneren Antreibern zu tun: der Perfektionismus, dem Wunsch nach Harmonie, dem Bedürfnis, es allen recht zu machen. Diese Antreiber sind nicht einfach schlechte Angewohnheiten, die man abstellt. Sie haben sich über Jahre geformt, oft durch Erfahrungen, durch Lob für das Funktionieren und Brav-Sein.
Der Ausweg liegt daher auch gar nicht darin, noch mehr zu leisten oder noch effizienter zu werden. Mehr Struktur, bessere Planung, ausgeklügeltere Systeme, das alles verschiebt das Problem nur. Es macht den Kopf voller, weil er jetzt auch noch die Optimierung optimieren muss.
Was wirklich hilft ist, sich selbst innerlich zu entspannen und den inneren Druck zu hinterfragen:
- Du musst nicht alles kontrollieren.
- Du darfst Erwartungen von anderen hinterfragen.
- Du darfst Nein sagen.
- Du darfst deinen eigenen Weg gehen, auch wenn er anders aussieht als der, den andere von dir erwarten.
Das kann sich am Anfang sehr ungewohnt und unangenehm anfühlen, fange deswegen mit kleinen Schritten an.
Du bist nicht für alles verantwortlich
Mental Load entsteht oft aus einem tiefen Verantwortungsgefühl heraus. Und das ist im Grunde eine echte Stärke. Wer mitdenkt, vorausschaut und sich kümmert, ist wertvoll, egal ob in Beziehungen, in Teams, in Familien. Das Problem entsteht dann, wenn diese Stärke ganz still zur Selbstverständlichkeit wird. Wenn alle sich darauf verlassen, dass du es ohnehin machst. Wenn niemand mehr fragt, weil die Antwort schon festzustehen scheint.
Dann kippt die Stärke und wird zur Belastung, die man trägt, ohne dass jemand gefragt hat, ob man sie tragen möchte.
Deshalb geht es um eine bewusstere Wahl: Was gehört wirklich zu dir und was nicht? Was trägst du, weil du die Verantwortung hast? Und was trägst du, weil niemand anderes da war, der es macht?
Auf diese Fragen gibt es keine schnellen Antworten. Doch es ist wichtig, sie zu stellen. Denn je mehr du loslässt, auch probeweise und in kleinen Schritten, desto mehr Raum entsteht. Ein Raum für dich und deine Bedürfnisse und auch ein Raum für die anderen, damit sie auch die Verantwortung übernehmen können.
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